Brief aus dem Nagaland :
Ich, Ria, lebe mit meiner Mutter und 3 Geschwister in Miete in einer kleinen Hütte. Der Vermieter verlangt 400,- Rs pro Monat (ca. 6,- Euro). Wir haben nur einen Raum zum Leben. Mein Vater ist schon lange tot. Wir sind sehr arm. Meine Mutter ist Tagelöhnerin. Mit ihrem geringen Verdienst kann sie uns kaum zwei Mahlzeiten am Tag geben. Wir haben auch nicht genug anzuziehen. Wir schlafen zu Dritt auf einem Bettgestell. Ich wünsche mir manchmal sehr, in einem guten Haus zu wohnen mit Fenster und einer Tür, die man zumachen kann. Es wäre so schön, auf einem weichen Bett und im Winter auf einer warmen Decke zu liegen. Ich träume manchmal, dass ich in einem Königspalast geboren wurde.
Die Menschen brauchen unsere Hilfe !
Armut und Not lässt sich nicht an der Kleidung erkennen !
Not ist, wenn die Grundbedürfnisse eines Menschen nicht gedeckt werden können: Es fehlt sauberes Wasser, ausreichend Nahrung, Bildung, medizinische Versorgung und Toiletten.
Nagaland -und auch die übrigen 6 Schwesternstaaten im Nordosten- ist im Gegensatz zu Indien am dünnsten besiedelt und am stärksten unterentwickelt, weil das Land aus politischen Gründen lange Zeit isoliert war (bis 2011). Von dem Fortschritt der großen Megastädte Indiens ist hier nichts zu merken. Nur wenige Menschen haben im Nagaland Perspektiven. Die Landwirtschaft ist mit ca. 65 % die Hauptstütze der Einwohner. Die Ernte, hauptsächlich Reis, dient dem eigenen Verbrauch und reicht nicht für eine kommerzielle Verwendung. Wer über kein Land verfügt hat es besonders schwer. Industrie- und Produktionsstätten gibt es nicht. Eine Infrastruktur fehlt. Nur ca. 10% haben eine feste Anstellung im öffentlichen Bereich und Dienstleistung. Die Schüler der Don Bosco Schule haben mit gutem Schulabschluss Chancen auf einen Arbeitsplatz in den Großstädten Kohima und Dimapur. Einige Bewohner in Zubza besitzen einen Mini- Shop und verkaufen wenige Lebensmittel wie Süßigkeiten, Speiseöl, Drogerieartikel oder Hülsenfrüchte. Ein paar Familien betreiben ein Hostel für auswärtige Schüler. Einige Frauen weben, andere züchten Blumen. Ansonsten finden die Menschen nur als Tagelöhner saisonal ab und zu auf den Feldern oder im Straßenbau Arbeit.
Keine Arbeit, kein Geld, auch nicht bei Krankheit! Es gibt keinerlei soziale Versorgung vom Staat. Bei ernsthaften Erkrankungen bleibt nur die Verschuldung durch einen Kredit oder der Tod, wobei Kredite an Leute ohne Arbeit nicht gegeben werden. Die Familien zusammen mit den Verwandten können die hohen Krankenhauskosten und Behandlungen in guten medizinischen Einrichtungen meist nicht aufbringen. Die staatlichen Krankenhäuser bieten nur Einfachbehandlungen, auch die müssen bezahlt werden, ebenso die Medikamente. Deswegen geht man oft zu spät oder gar nicht zum Arzt.
Kinder müssen ihre Eltern im Alter unterstützen.
Besonders schwer haben es alleinerziehende Mütter oder Väter.
Hauptsächlich besteht die Ernährung aus Reis, zweimal am Tag (früh und abends). Reis mit „Dal“ (Linsensuppe) oder wenn vorhanden mit Gemüse: Bohnen, Weißkohl, Blätter wie z.B. von Melonengewächsen oder Senfsaaten.
Wenn man es sich leisten kann, durchschnittlich einmal im Monat, gibt es etwas Fleisch. In keinster Weise vergleichbar mit westlichen Fleischportionen bzw. Qualität.
Sauberes Wasser stellt ein weiteres Problem dar. Das Wasser in Zubza kommt aus dem Bach vom Berg. Es ist verunreinigt. In der Trockenzeit wird der Bach zum Rinnsaal, es herrscht Wassermangel.
Dazu kommt, dass keine sanitären Einrichtungen vorhanden sind, außer im Schulbereich ! Die meisten Familien benutzen Verschläge. Bei dem Bau von Steinhäusern werden gemauerte Toilettenhäuschen mit einer Naßzelle vorgesehen, jedoch ohne jeglichen Anschluß.